Endgame Capital x Roundtable: Ein Climate-Tech-Syndikat, das Lösungen mit enormem Impact liefert

Roundtable
Veröffentlicht am
June 4, 2024
Last edited on
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Über Roundtable
Roundtable ist Europas führende Infrastruktur für private Investitionen und wickelt alle rechtlichen und administrativen Vorgänge ab, damit sich Gründer, Angels und Fondsmanager auf das Wesentliche konzentrieren können.

John Mairlot und seine Mitgründerin Jinna Li leiten Endgame Capital, ein Investment-Syndikat mit Fokus auf Early-Stage-Klimatechnologie.

Endgame investiert in Unternehmen, die das Potenzial haben, ganze Branchen neu zu gestalten, mehr als 100 Megatonnen CO2-Emissionen (oder Äquivalente) einzusparen und eine Lösung zu bieten, die schlicht besser ist als der Status quo. Mitgründer Mairlot sagt, diese Philosophie sei entscheidend dafür, dass Unternehmen im großen Maßstab liefern und den Klimawandel bekämpfen können.

Mairlot sprach mit Roundtable über seinen Weg zum Climate-Tech-Investing, darüber, wie das Syndikat Mentoren ebenso wie Investoren einbindet, und über die Pläne, künftig einen Fonds aufzulegen.

Der Weg zum Climate-Tech-Investing

Roundtable: Kannst du uns etwas über deinen Hintergrund erzählen und darüber, wie du dein Syndikat Endgame gegründet hast?

Mairlot: Ich habe meine Karriere im klassischen Private Equity und mit Late-Stage-Deals begonnen, war aber immer an gesellschaftlichen Themen interessiert. Ich beschloss, ein Jahr im Osten des Kongo zu verbringen und mit lokalen Unternehmern Social Businesses aufzubauen. Das hat mir die Augen geöffnet und meine Überzeugung gefestigt, dass ich für den Rest meiner Karriere etwas tun wollte, das wirklich einen Unterschied macht.

Während meines MBA-Studiums am INSEAD lernte ich meine Mitgründerin Jinna kennen. Wir sind außerdem verheiratet und erwarten unser zweites Kind. Nach dem INSEAD machte ich meinen ersten Schritt ins Impact Investing und arbeitete für einen Fonds in den Niederlanden namens Aqua Spark, den weltweit größten Fonds für nachhaltige Aquakultur. Ich habe dort viel gelernt, aber mein Interesse reichte über Aquakultur hinaus. Deshalb habe ich Aqua Spark im letzten Sommer verlassen, um Endgame Capital zu gründen.

Syndikatsmitglieder gewinnen und Expertise nutzen

Roundtable: Wen möchtest du als Syndikatsmitglieder gewinnen?

Mairlot: Unser Syndikat steht Angels und Family Offices offen, die sich für Klimatechnologien interessieren. Besonders richten wir uns jedoch an Investoren mit echtem Mehrwert aus vier Gruppen: Climate-Tech-Gründer, Tech-Gründer mit erfolgreichem Exit, Führungskräfte aus der Industrie und Family Offices mit operativen Unternehmen.

Wir haben mit jedem unserer Unternehmen einen monatlichen Austausch. Wir teilen die wichtigsten Anliegen der Unternehmen mit unserer Investorenbasis und verbinden das Unternehmen mit jemandem, der helfen könnte – unabhängig davon, ob diese Person investiert hat oder nicht.

Über das Geld hinaus können diese Investoren ihre Erfahrung, Zeit und Netzwerke einsetzen, um die Portfoliounternehmen von Endgame zu unterstützen. Wir freuen uns auch über Mentoren mit relevantem Hintergrund, die unsere Mission im Kampf gegen den Klimawandel unterstützen.

Investmentprozess und Kriterien

Roundtable:  Wie sieht dein Investmentprozess aus?

Mairlot: Unsere Due Diligence ähnelt der eines typischen Fonds. Wir gehen die Daten durch und stellen den Unternehmen umfangreiche Fragen. Da wir Generalisten sind, setzen wir für ein Investment voraus, dass ein sektorspezialisierter VC die Runde anführt, und stützen uns auf dessen technische Due Diligence. Wenn wir weitermachen wollen, verhandeln wir.

Unsere typische Ticketgröße liegt bei EUR100K bis EUR500K. Unser Syndikat unterscheidet sich dadurch, dass es Personen gibt, die sich vorab für alle unsere Deals committet haben, sodass wir mit mindestens EUR100K in die Runde gehen können – Gründer schätzen das sehr, weil es ihnen Sicherheit gibt. Wir verhandeln immer eine obere Spanne, die unserer breiteren Basis deutlich mehr Raum zum Einstieg gibt.

Für jeden Deal schreiben wir ein Deal-Memo von etwa 5 bis 10 Seiten. Wir kontaktieren unsere Basis mit einer kompakten E-Mail, und bei Interesse gewähren wir Zugang zum Investoren-Datenraum mit den wichtigsten Dokumenten und unserem Deal-Memo. Wir geben unserer Investorenbasis gerne vier Wochen Zeit für die Entscheidung, können dank des vorab zugesagten Kapitals aber auch schneller agieren.

Das aktuelle Minimum pro Deal liegt bei 10.000 EUR für männliche Investoren und 5.000 EUR für weibliche Investoren, weil wir mehr Frauen zum Investieren ermutigen wollen. Unsere Gebühren hängen vom jeweiligen Deal ab.

Roundtable: Du investierst nur in Unternehmen, die im großen Maßstab mindestens 100 Megatonnen Treibhausgasemissionen einsparen können. Worauf achtest du außerdem, und was vermeidest du?

Mairlot: Da wir es mit Early-Stage-Unternehmen zu tun haben, macht das Team einen großen Teil der Bewertung aus. Haben sie den richtigen Founder-Problem-Fit? Teilen sie unsere Vision? Wirken sie coachbar?

Weitere zentrale Elemente sind die Überlegenheit, Einzigartigkeit und Verteidigungsfähigkeit der Technologie, die Größe des Marktes, das adressierte Problem und die Business-Development-Strategie des Unternehmens.

Da unser Hintergrund und unser Mehrwert vor allem in der Kommerzialisierung liegen, suchen wir Unternehmen, die bereits erste kommerzielle Umsätze erzielen oder kurz davorstehen. In sehr kapital- oder anlagenintensive Unternehmen investieren wir in der Regel nicht – dafür sind andere Akteure im Capital Stack besser positioniert.

Eine Randbemerkung: Wir glauben nicht, dass Unternehmen Erfolg haben können, nur weil sie nachhaltiger sind. Sie müssen auch ein besseres Produkt oder einen besseren Service bieten – sei es höhere Qualität, ein günstigerer Preis oder mehr Komfort. Genau das skaliert die Einsparung von Treibhausgasen und liefert unseren Investoren die richtigen Renditen.

Ich kann dir zwei Unternehmen nennen, bei denen finanzieller Erfolg, Nachhaltigkeit und der Mehrwert für ihre Kunden vollständig korrelieren.

Roundtable: Ja, sehr gerne.

Mairlot: Das eine ist ein Softwareunternehmen aus Großbritannien namens Elyos Energy. Es ist unser einziger reiner Software-Deal. Ihre KI-gestützte Software dekarbonisiert Gewerbegebäude, indem sie sich mit deren Heiz- und Kühlsystemen verbindet und den Energieverbrauch über den Tag hinweg optimiert. Auf diese Weise wollen sie die Energiekosten der Gebäude um rund 15 % und die Treibhausgasemissionen um rund 10 % senken. Zur Erklärung: Wenn Energie in Nebenzeiten günstiger ist, ist sie auch grüner, weil weniger Nachfrage auf dem Netz liegt. Das Netz priorisiert immer die saubereren Energiequellen, und bei höherer Nachfrage kommen die schmutzigeren zum Einsatz. Für jedes eingesparte Pfund senken die Kunden also auch ihre Treibhausgasemissionen.

Wir investieren üblicherweise in Europa und Nordamerika, aber einen Deal haben wir in Afrika gemacht. Kubik upcycelt sehr geringwertigen Plastikmüll, der normalerweise nicht recycelbar ist, und verwandelt ihn in Baumaterialien. Ihre Materialien entsprechen EU-Normen, sind 40 % günstiger und fünfmal weniger treibhausgasintensiv als Ziegel und Zement – und lassen sich zudem deutlich einfacher und schneller verbauen. Es ist ein riesiger Markt: Allein in Afrika fehlen bis 2030 100 Millionen Wohnungen.

Zukunftspläne und das Wachstum von Climate Tech

Roundtable: Du hast unsere Plattform genutzt, um über SPVs Kapital aufzunehmen, und du planst, Kapital für einen Fonds aufzunehmen. Kannst du uns davon erzählen und erklären, worin der Unterschied zu einem Syndikat besteht?

Mairlot: Wir stehen noch am Anfang der Strategieentwicklung für unseren Endgame Fund I, für den wir 2025 mit dem Fundraising beginnen wollen. Der Fonds wird einen ähnlichen Fokus haben wie unser Syndikat.

Der Unterschied zwischen einem Fonds- und einem Syndikatsansatz ist die Geschwindigkeit. Mit einem Fonds hätten wir als General Partner (GPs) Jahre mit Fundraising verbracht, bevor wir tatsächlich investieren. Mit einem Syndikat und SPVs nehmen wir Kapital Deal für Deal auf, und seit dem Start im September haben wir bereits fünf Deals abgeschlossen und über 1 Million Euro investiert.

Ein weiterer wesentlicher Unterschied ist, dass Fonds an eine strikte Portfoliostrategie gebunden sind und jeder Deal theoretisch das Potenzial haben sollte, Renditen für den gesamten Fonds zu erwirtschaften. Syndizierte Deals sind dagegen viel flexibler bei Equity-Zielen, eingesetztem Kapital oder Sektorfokus. Im Syndikatsmodell haben wir die Flexibilität, verschiedene Climate-Tech-Sektoren zu erkunden, ohne an eine bestimmte Strategie oder Portfoliokonstruktion gebunden zu sein.

In vielerlei Hinsicht sind wir, obwohl wir ein Syndikat betreiben, wie ein Fonds – in der Qualität unseres Deal Flows, der Tiefe unserer Due Diligence, unseren angemessenen Ticketgrößen und als Investorenpartner, die ihren Portfoliounternehmen echten Mehrwert bringen.

Roundtable: Wie siehst du das Wachstum von Climate Tech, und reicht es aus, um echten Wandel zu bewirken?

Mairlot: In den letzten fünf Jahren gab es eine Welle neuer Technologien und Menschen, die auf eine Net-Zero-Zukunft bis 2050 hinarbeiten. Wir kooperieren, statt zu konkurrieren, weil es so viel zu tun gibt.

Was den Zustrom weiterer Investoren betrifft: Man hört ständig von neuen Climate-Tech-Fonds, und generalistische VC-Fonds und Acceleratoren starten eigene Investmentbereiche für Nachhaltigkeit, ESG oder Climate Tech.

Ich finde es spannend, dass Climate Tech eine ganze Generation von Wissenschaftlern und Ingenieuren hervorbringt, die beim Wandel die Hauptrolle übernehmen. Da der Klimawandel jedoch wohl die größte existenzielle Bedrohung ist, der wir gegenüberstehen, glaube ich nicht, dass insgesamt genug Talent in diesen Bereich strömt. Wertvolles Talent zieht es weiterhin zu anderen glänzenden Feldern wie Gen AI, Web3 usw.

Viele Menschen nehmen Anpassungen in ihrem Privatleben vor, und das ist aus vielen Gründen großartig. Den größten Hebel hat man jedoch, wenn man seine berufliche Laufbahn dem Klima oder anderen gesellschaftlichen Herausforderungen widmet.

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